Kommunale Wärmeplanung (KWP) in Heiligkreuzsteinach 

 

Das offizielle Ziel der kommunalen Wärmeplanung, wie im Wärmeplanungsgesetz (WPG) vom 1. Januar 2024 festgelegt, ist die Entwicklung von Dekarbonisierungsstrategien für eine klimaneutrale Wärmeversorgung bis spätestens 2045 in allen Kommunen Deutschlands. D.h. bis zum Jahr 2045 sollen alle Heizsysteme in den Kommunen mit klimaneutraler Energie betrieben werden. In Baden-Württemberg gilt sogar das Jahr 2040 als Zieldatum! Was genau dabei unter klimaneutral fällt, bestimmt die Politik und kann sich durchaus noch ändern. Siehe dazu die aktuelle Diskussion um das neue Gebäudemodernisierungsgesetzt (GMG), welches das unter der Ampel verabschiedete Gebäudeenergiegesetz (GEG) ablösen soll. Aktuell sind dies hauptsächlich Biomasse (z.B. Holz, Müll), Geothermie und Wärmepumpen sowie einige Exoten wie Wasserstoff, die aber derzeit nicht weiter ins Gewicht fallen. Ob Öl- und Gasheizungen dann ab 2040 (BW) bzw. 2045 (deutschlandweit) komplett verboten werden wie im GEG derzeit noch geregelt ist, bleibt laut GMG wieder offen. Im Moment herrscht also mehr Verwirrung als Klarheit.

 Der Gemeinderat hat auf Basis des GEG vor kurzem beschlossen, solch eine KWP durchzuführen. Der beauftragte Dienstleister hat die Aufgabe, ein konkretes Zielszenario und eine Umsetzungsstrategie zur klimaneutralen Wärmeversorgung bis 2040/45, inklusive räumlicher Einteilung des Gebiets in Wärmeversorgungsarten, auszuarbeiten. Im Gemeindegebiet wird also eine kartierte Darstellung des Wärmebedarfes und der dazu vorgeschlagenen Technologien erstellt. Zusätzlich wird noch ein Zeitplan für die Umsetzungsstrategie ausgearbeitet. Betroffen sind hier sowohl kommunale als auch private Gebäude. Zitat: „Diese Ergebnisse dienen als verbindlicher Orientierungsrahmen für Investitionen, Genehmigungen und kommunale Planungen, schaffen Transparenz für Bürger und Unternehmen sowie Grundlage für weitere Förderungen. Die KWP ist bis 2026/2028 je Kommunengröße fällig und wird öffentlich zugänglich gemacht.“  Was bedeutet nun dieses Ziel für unsere Kommune und die Menschen im Ort? Was kommt z.B. an Maßnahmen und Kosten bis 2040/45 auf die Betroffenen zu? Und wer ist überhaupt betroffen? Stand heute sind alle unsere kommunalen Gebäude betroffen, da diese aktuell alle mit einer Ölheizung beheizt werden. Gleiches gilt für die meisten privaten Gebäude im Ort, mit Ausnahme derjenigen, die jetzt schon eine Wärmepumpe oder Pelletheizung besitzen. Bei reinen Stückholzheizungen könnten sich jedoch noch Sanierungsmaßnahmen anbahnen, Stichwort „Feinstaubgrenzwert“. D.h. es gibt Haushalte und Gebäude im Ort, die keinerlei Maßnahmen umsetzen müssen, während Besitzer unsanierter Gebäude zu aufwändigen Sanierungsmaßnahmen gezwungen sind. Im einfachsten Fall reicht hier ein Heizungstausch, der die nächsten Jahre sowieso ansteht. Allerdings sind die Kosten für eine Wärmepumpe derzeit geradezu aberwitzig hoch - gleiches gilt aber auch für deren Förderung: 2025 subventionierte der Steuerzahler den Einbau von Wärmepumpen mit ca. 5 – 7 Milliarden Euro! Die große Frage ist nun, kann ich überhaupt eine Wärmepumpe im mein Haus einbauen bzw. ist das sinnvoll, ohne dass ich das Gebäude zuvor energetisch saniere? Im letzteren Fall reden wir hier dann von zusätzlich von Kosten, die durchaus 200.000 Euro (Dach, Fassade, Fenster etc.) oder auch mehr betragen können. Als Faustregel gilt, dass in alle Gebäude, die nach der 3. Wärmeschutzverordnung von 1995 gebaut wurden, problemlos eine Wärmepumpe eingebaut werden kann. Also ohne größere Sanierungsmaßnahmen nach sich zu ziehen. Gebäude aus den 60er und 70er Jahren, die zwischenzeitlich zumindest teilweise saniert wurden (Fenster, Rollladenkästen, Dach, Heizkörpernischen, Eingangs und Abschlusstüren etc.) können ebenfalls geeignet sein.

Doch zurück zu der KWP und den Kosten: Seriös kann derzeit niemand abschätzen, was auf die Allgemeinheit hier in den nächsten 15 - 20 Jahren zukommt. Allerdings gibt es erste Anhaltspunkte aus Kommunen, welche die KWP schon abgeschlossen haben. Heidelberg hat z.B. eine erste Kostenschätzung erhalten. Hier rechnet man mit ca. drei Milliarden Euro! Da wir jedoch aus Erfahrung wissen (z.B. Stuttgart21, BER), dass solche Schätzungen in der Regel sehr optimistisch ausgestaltet sind, kann man durchaus vom doppelten Betrag oder auch mehr ausgehen. Nun kann man eine Großstadt nicht mit einem Odenwalddorf vergleichen. Eine Stadt hat z.B. Synergieeffekte (enge Bebauung, Fernwärmeanschluss), die wir hier nicht haben. Die Pro-Kopf-Kosten sind in ländlichen Gebieten daher eher höher. Basierend auf der Heidelberger Berechnung kommen auf Heiligkreuzsteinach (private und kommunale Kosten) die nächsten 15 -20 Jahre im idealen Fall  mindestens 50 Millionen Euro zu und das bei einem kommunalen Jahreshaushalt von insgesamt ca. acht Millionen Euro. Das ist allerdings extrem optimistisch gerechnet. Man kann diesen Betrag durchaus verdoppeln und kommt damit den tatsächlichen Kosten wahrscheinlich näher. Demgegenüber stehen jedoch die Sanierungsmaßnahmen, die in diesem Zeitraum sowieso anfallen würden. Diese Kosten müssen hier fairerweise noch abgezogen werden.

 

Im vorangegangenen Teil zum Thema KWP wurde die politische Zielsetzung erklärt und ein grober Blick auf die Kosten geworfen. Im nun folgenden Teil geht es um den zeitlichen Fahrplan und die Umsetzung. Abgesehen von den Kosten bzw. der ungeklärten Finanzierung - wie realistisch ist eine Umsetzung bis 2040/45? Derzeit werden in Deutschland ¾ der Wohnungen und Gebäude mit Gas oder Öl geheizt. Das sind ca. 20 Millionen mit fossiler Energie betriebene Heizanlagen. Alleine 2024  kamen knapp 500.000 hinzu bzw. wurden erneuert, während im gleichen Zeitraum ca. 200.000 Wärmepumpen verbaut wurden. Erst ab dem Jahr 2029 ist der Einbau fossiler Heizsysteme (nach GEG!) gänzlich verboten, nach dem noch nicht verabschiedeten GMG dürften sie mit entsprechendem „Bioanteil“ weiter betrieben und eingebaut werden. Wo dieser Bioanteil herkommen soll, steht noch in den Sternen. Nichtsdestotrotz werden bis dahin noch einige Haushalte auf die fossilen Heizsysteme setzen, da diese problemlos und zuverlässig auch in unsanierten Gebäuden ihren Dienst tun. Der aktuelle Krieg im Iran wird jedoch mit Sicherheit einen Nachfrageschub bei Wärmepumpen und wohl auch Holzheizungen auslösen. Will man jedoch komplett weg von fossilen Heizungen, müssten in den nächsten 20 Jahren im Schnitt mehr als eine Million fossiler Heizanlagen pro Jahr ersetzt werden. Hinzu kommen noch die Anlagen in Neubauten. Insgesamt wurden 2024 ca. 750.000 Heizanlagen ersetzt/neu eingebaut (hauptsächlich Öl, Gas und WP). Alleine die schiere Masse der zu erneuernden Heizungen ist beim derzeitigen Facharbeitermangel eine enorme Herausforderung. Hinzu kommt, dass eine große Anzahl von Bestandsgebäuden erst saniert werden müsste, bevor es sinnvoll ist, eine Wärmepumpe einzubauen. Denn selbst wenn theoretisch die Möglichkeit bestünde, ohne Sanierung eine Wärmepumpe zu betreiben, wäre diese nach einer später stattfindenden Gebäudesanierung hoffnungslos überdimensioniert und damit ineffizient. Hier hat die gute alte Ölheizung gegenüber der Wärmepumpe den Vorteil, dass sich eine Überdimensionierung nicht so eklatant auf Effizienz und Lebensdauer auswirkt, wie bei einer Wärmepumpe. Es gilt also prinzipiell: Erst (Teil-)Sanieren, dann die Heizung austauschen. Ein reiner Heizungstausch ist schon ein Kraftakt, kommen hier noch Sanierungsmaßnahmen hinzu, wird das Projekt KWP-Umsetzung zu einer Lebensaufgabe. Es müsste schon mehr als ein Wunder geschehen, damit alle Heizsysteme in der Republik bis 2040/45 klimaneutral betrieben werden können. Es zeichnet sich eher das Jahr 2050 oder auch deutlich später ab. Derzeit laufende Projekte wie die im Teil 1 erwähnten Stuttgart21 und BER oder auch der gefühlt seit Jahrzehnten laufende flächendeckende Glasfaserausbau im Land zeigen, wozu wir in der Lage bzw. eben nicht in der Lage sind. Die genannten drei Projekte sind in Punkto Komplexität und Kosten im Vergleich zur KWP-Umsetzung geradezu leichte Unterfangen. Denn eines sollte man nicht vergessen: Die Umsetzung der KWP ist ein Projekt der Superlative. Die Mondlandung von 1969 war dagegen ein Klacks. Und schlussendlich schwebt über allem das Damoklesschwert der Deindustrialisierung, des Verlustes von Arbeitsplätzen und der damit wegbrechenden Steuereinnahmen und privaten Einkommen. Fazit: Man muss keinen Nobelpreis in Wirtschaftswissenschaften haben, es genügt alleine der gesunde Menschenverstand, um zu erkennen, dass der Traum vom klimaneutralen Heizen sich nicht bis 2040/45 erfüllen wird. Hinzu kommt, dass der „große Bruder“ des klimaneutralen Heizens, die gesetzlich festgeschriebene Klimaneutralität, parallel dazu ebenfalls bis dahin umgesetzt werden soll. Schaut man sich dann noch die aktuellen Zahlen, die Kosten und die derzeitigen Belastungen der Kommunen und Bürger an, ist es fraglich, ob beide Projekte mit den heutigen Mitteln und Maßnahmen überhaupt umsetzbar sind. Die Kommunen kämpfen aktuell ums „nackte Überleben“ (RNZ vom 08.12.2025). Das wissen selbstverständlich auch die Politiker, zumindest die meisten. Allerdings existiert seit einigen Jahren - und hier speziell beim Thema Klimaschutz - eine irrationale Politik. Diese versucht nicht, Probleme sachlich, rational und Kosten-Nutzen-orientiert zu lösen, sondern geht das Thema ideologisch und mit nicht erreichbaren Zielvorgaben an. Das Geld der Steuerzahler wird hier sprichwörtlich zum Fenster hinaus geworfen.  Denn eines hat der bisherige Ausbau der Erneuerbaren Energien - so dringend angeraten er auch ist - gezeigt, günstigere Strompreise für die Allgemeinheit sind nicht zu erwarten. Und auch die Abhängigkeiten von anderen Ländern (China hat z.B. ein Quasimonopol auf Solarmodule und Seltene Erden) werden bleiben. So langsam wird es Zeit für die Politiker, dass sie sich ehrlich machen, bevor die Wähler deren Fehleinschätzungen und falsche Weichenstellungen an der Wahlurne abstrafen.

Johannes Fink FLH

 

 

 

 

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